Die Kosten einer professionellen Fassadenreinigung lassen sich nicht mit einem allgemeingültigen Quadratmeterpreis beantworten. Fassadenmaterial, Verschmutzung, Arbeitshöhe, Zugänglichkeit und gewünschte Nachbehandlung verändern den Aufwand erheblich. Vergleiche Angebote daher nicht allein über den ausgewiesenen Flächenpreis, sondern über den vollständigen Leistungsumfang und den daraus entstehenden Gesamtpreis.
Die schonendste geeignete Methode richtet sich nach der Oberfläche. Eine intakte Klinkerfassade verträgt eine andere Behandlung als beschichteter Putz, Naturstein, Holz oder ein Wärmedämmverbundsystem. Starkes Strahlen, ungeeignete Säuren oder zu hoher Wasserdruck können Fugen, Beschichtungen und Dämmfassaden beschädigen.
Was im Quadratmeterpreis enthalten sein kann
Ein Preis je Quadratmeter ist nur aussagekräftig, wenn eindeutig feststeht, welche Leistungen er umfasst. Manche Betriebe rechnen lediglich das Auftragen und Abspülen des Reinigungsmittels nach Fläche ab. Andere schließen Abdeckarbeiten, Geräte, Wasseraufnahme oder eine Probefläche ein.
Ein nachvollziehbares Angebot sollte die folgenden Positionen voneinander trennen oder ausdrücklich als enthalten ausweisen:
- Besichtigung und Beurteilung von Material, Beschichtung und Schadensbild
- Einrichten und Absichern des Arbeitsbereichs
- Abdecken von Fenstern, Türen, Leuchten, Pflanzen und angrenzenden Bauteilen
- Reinigungsmittel, Arbeitszeit und eingesetztes Verfahren
- Zugangstechnik wie Gerüst, Rollgerüst oder Hubarbeitsbühne
- Auffangen beziehungsweise ordnungsgemäßer Umgang mit Schmutzwasser und Rückständen
- Nachspülen, Endkontrolle und Reinigung des Arbeitsbereichs
- optional eine Imprägnierung, Schutzbehandlung oder kleinere Ausbesserung
- Anfahrt und weitere Pauschalen
Fehlen diese Angaben, kann ein niedriger Flächenpreis durch zusätzliche Pauschalen deutlich steigen. Frage außerdem, ob alle genannten Beträge brutto oder netto ausgewiesen sind.
Diese Merkmale verändern die Reinigungskosten
Der größte Preisunterschied entsteht häufig nicht durch die Hausgröße allein, sondern durch die Kombination aus Oberfläche, Verschmutzung und Erreichbarkeit. Für die Einschätzung sind vor allem die folgenden Punkte relevant.
Fassadenmaterial und Zustand
Bei einer Putzfassade muss geklärt werden, ob der Anstrich fest haftet und ob Risse, hohle Stellen oder Abplatzungen vorhanden sind. Ein Wärmedämmverbundsystem verlangt meist eine druckarme, auf den Aufbau abgestimmte Behandlung. Bei Klinker und Naturstein spielen Fugen, Porosität und mögliche Ausblühungen eine Rolle. Holzfassaden benötigen ein Verfahren, das die Oberfläche nicht aufraut oder zu stark durchnässt.
Eine Reinigung behebt keine baulichen Schäden. Ist der Putz lose oder dringt Wasser durch beschädigte Anschlüsse ein, sollten diese Mängel vor einer großflächigen Nassreinigung beurteilt werden.
Art und Stärke der Ablagerungen
Locker sitzender Staub und oberflächlicher Schmutz sind meist leichter zu entfernen als dichter Algenbewuchs, Ruß, ölhaltige Rückstände oder alte Farbspritzer. Auch die Verteilung zählt: Eine gleichmäßig verschmutzte Fläche lässt sich oft planbarer bearbeiten als viele schwer erreichbare Einzelstellen an Gesimsen, Vorsprüngen und Fensterlaibungen.
Die Himmelsrichtung kann das Schadensbild beeinflussen. Feuchte, lange beschattete Fassadenbereiche zeigen häufiger biologischen Bewuchs. Eine Schutzbehandlung kann angeboten werden, sollte aber als eigene Leistung mit Produkt, Eignung und Anwendungsbedingungen benannt sein.
Arbeitshöhe und Zugang
Eine frei zugängliche Erdgeschosswand verursacht weniger Rüstaufwand als eine mehrgeschossige Fassade über einem Wintergarten oder engen Innenhof. Gerüst, Bühne, Absturzsicherung und zusätzliche Abdeckungen werden häufig pauschal oder nach Zeit berechnet. Diese Positionen verteilen sich bei großen Flächen anders als bei einer kleinen Giebelseite.
Auch Grundstücksgrenzen, öffentliche Gehwege, empfindliche Bepflanzung und fehlende Wasseranschlüsse können die Ausführung erschweren. Gute Anbieter klären solche Bedingungen vor der Preiszusage.
So wird aus dem Angebot ein echter Quadratmeterpreis
Für einen belastbaren Vergleich müssen alle Kosten auf dieselbe gereinigte Fläche bezogen werden. Verwende dafür die im Angebot festgelegte Abrechnungsfläche und ausschließlich Beträge derselben Preisart, also beispielsweise durchgehend Bruttobeträge.
Die Rechnung lautet:
Gesamtpreis = (Abrechnungsfläche in Quadratmetern × Reinigungspreis je Quadratmeter) + Zugangskosten + Schutz- und Nebenleistungen
Der tatsächlich wirksame Flächenpreis ergibt sich so:
Gesamtpreis je Quadratmeter = Gesamtpreis ÷ Abrechnungsfläche in Quadratmetern
Rechenbeispiel mit frei gewählten Angebotswerten
Das folgende Szenario dient nur als Rechenhilfe und bildet keinen Marktpreis ab. Angenommen, ein Angebot nennt 180 Quadratmeter Abrechnungsfläche, 8,50 Euro je Quadratmeter für die Reinigung, 320 Euro für die Zugangstechnik und 180 Euro für Abdeckung und Einrichtung. Alle Beispielbeträge seien bereits brutto.
Gesamtpreis = (180 m² × 8,50 Euro/m²) + 320 Euro + 180 Euro = 2.030 Euro
Der Zahlencheck ergibt: 180 × 8,50 Euro sind 1.530 Euro. Zusammen mit 500 Euro für die weiteren Positionen entstehen 2.030 Euro.
Gesamtpreis je Quadratmeter = 2.030 Euro ÷ 180 m² = rund 11,28 Euro/m²
Obwohl die reine Reinigung im Beispiel mit 8,50 Euro je Quadratmeter angesetzt ist, beträgt die tatsächliche Belastung rund 11,28 Euro je Quadratmeter. Genau dieser Wert eignet sich für den Vergleich mit einem zweiten Angebot, sofern dort dieselbe Fläche und derselbe Leistungsumfang zugrunde liegen.
Die Abrechnungsfläche muss eindeutig definiert sein
Schon die Flächenermittlung kann Angebote unvergleichbar machen. Ein Betrieb kann die vollständige Wandfläche berechnen, während ein anderer größere Fenster- und Türflächen abzieht. Laibungen, Giebel, Sockel, Vorsprünge und schwer erreichbare Teilflächen können gesondert behandelt werden.
Für eine erste eigene Schätzung misst Du jede Fassadenseite in Breite und Höhe. Rechteckige Teilflächen werden multipliziert und anschließend addiert. Bei einem dreieckigen Giebel gilt:
Giebelfläche = (Grundseite × Giebelhöhe) ÷ 2
Diese Schätzung ersetzt nicht das Aufmaß des Betriebs. Lass im Angebot festhalten, ob Öffnungen abgezogen werden und ob Sockel, Laibungen sowie Giebelflächen im Ansatz enthalten sind. Andernfalls kann derselbe scheinbare Quadratmeterpreis zu unterschiedlichen Endbeträgen führen.
Drei Angebote nach demselben Raster prüfen
Eine sinnvolle Vergabeentscheidung berücksichtigt Preis, Materialeignung, Leistungsgrenzen und Haftung gemeinsam. Fordere nach Möglichkeit eine Besichtigung oder zumindest eine belastbare Beurteilung anhand von Fassadenaufbau, Fotos, Höhe und Zugangsbedingungen an.
- Materialbezug prüfen: Das Angebot sollte die vorhandene Fassadenart und das dafür vorgesehene Reinigungsverfahren nennen.
- Probefläche klären: Bei unbekannter Beschichtung, empfindlichem Putz oder unklarem Reinigungsergebnis ist eine unauffällige Testfläche sinnvoll. Festgehalten werden sollte, ob sie berechnet wird.
- Leistungsumfang angleichen: Vergleiche nur Angebote, die dieselben Fassadenteile, Abdeckarbeiten, Zugangskosten und Nachbehandlungen umfassen.
- Endpreis umrechnen: Addiere alle verpflichtenden Positionen und teile den Betrag durch die jeweilige Abrechnungsfläche.
- Schadensregelung lesen: Kläre, wie mit bereits losen Beschichtungen, undichten Anschlüssen, beschädigten Fugen und möglichen Reinigungsschäden umgegangen wird.
- Entsorgung und Umfeld berücksichtigen: Das Angebot sollte erkennen lassen, wie angrenzende Flächen geschützt und anfallende Rückstände behandelt werden.
Wenn ein Anbieter ohne Materialprüfung hohen Druck oder ein einheitliches Mittel für jede Oberfläche vorsieht, ist Zurückhaltung angebracht. Wenn Verfahren, Probefläche und Schutzmaßnahmen nachvollziehbar beschrieben sind, lässt sich auch ein höherer Gesamtpreis sachlich bewerten.
Reinigung, Schutzbehandlung und Anstrich sauber trennen
Eine Imprägnierung oder andere Nachbehandlung ist nicht automatisch Bestandteil der Fassadenwäsche. Sie muss zur Oberfläche und zum baulichen Zustand passen. Bei manchen Systemen kann eine ungeeignete Behandlung den Feuchtehaushalt oder die spätere Überarbeitung beeinträchtigen.
Ebenso ist eine Reinigung kein Ersatz für einen neuen Anstrich. Bleiben nach einer gelungenen Probefläche deutliche Farbunterschiede, Auskreidungen oder beschädigte Beschichtungen sichtbar, kann eine Beschichtungsarbeit nötig sein. In diesem Fall sollten Reinigung und Anstrich als getrennte Leistungen kalkuliert werden. So erkennst Du, welcher Betrag auf die Säuberung entfällt und welche Kosten durch Instandsetzung oder optische Erneuerung entstehen.
Welche Preisangabe für die Entscheidung zählt
Maßgeblich ist der Gesamtbetrag für eine klar definierte Fassadenfläche samt aller verpflichtenden Nebenleistungen. Teile diesen Endbetrag durch die abgerechneten Quadratmeter und vergleiche erst dann die Angebote. Ein günstiger Grundpreis ist kein Vorteil, wenn Zugangstechnik, Abdeckung oder Nachspülen später zusätzlich berechnet werden.
Die verlässlichste Grundlage entsteht durch eine Vor-Ort-Prüfung, ein schriftlich beschriebenes Verfahren und eine eindeutige Abgrenzung optionaler Arbeiten. Damit lässt sich nicht nur der Preis besser beurteilen, sondern auch das Risiko einer ungeeigneten Behandlung der Fassade verringern.