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Fassade von Algen befreien: Reinigen oder neu streichen?

Ob eine veralgte Hausfassade nur gereinigt oder neu gestrichen werden sollte, hängt vor allem vom Zustand von Putz und Altanstrich ab. Ist die Oberfläche fest, gleichmäßig und frei von Rissen, genügt häufig …

Fassade von Algen befreien: Reinigen oder neu streichen?
Lesedauer: 7 Min
Aktualisiert: 27. September 2026 18:44

Ob eine veralgte Hausfassade nur gereinigt oder neu gestrichen werden sollte, hängt vor allem vom Zustand von Putz und Altanstrich ab. Ist die Oberfläche fest, gleichmäßig und frei von Rissen, genügt häufig eine materialgerechte Reinigung. Kreidet die Farbe, blättert sie ab oder bleiben deutliche Verfärbungen zurück, kann nach Reinigung und Trocknung ein neuer Anstrich nötig sein. Aggressives Schrubben und hoher Wasserdruck sind keine sichere Abkürzung, besonders nicht bei Wärmedämmverbundsystemen.

Die Entscheidung fällt an der Oberfläche, nicht an der Farbe des Belags

Grüne oder dunkle Beläge wirken schnell wie ein umfassender Fassadenschaden. Algen wachsen jedoch zunächst auf der Oberfläche und ernähren sich nicht vom Putz. Ihr Auftreten zeigt meist, dass die Außenwand über längere Zeit feucht bleibt. Häufig betroffen sind schattige Nord- und Westseiten, Bereiche hinter dichter Bepflanzung sowie Zonen unter undichten Dachrinnen oder Fensterbänken.

Für die Entscheidung zwischen Reinigen und Streichen ist daher nicht die Intensität des Grüns ausschlaggebend. Prüfe stattdessen, ob der vorhandene Anstrich noch trägt:

  • Wische mit einem dunklen Tuch über eine trockene, unauffällige Stelle. Bleibt viel heller, pudriger Abrieb am Tuch, kreidet der Anstrich.
  • Drücke vorsichtig auf auffällige Putzstellen. Hohle, lose oder absandende Bereiche müssen fachlich beurteilt und instand gesetzt werden.
  • Suche nach Rissen, abplatzender Farbe und dauerhaft feuchten Zonen. Solche Schäden lassen sich durch Überstreichen nicht beheben.
  • Befeuchte eine kleine gereinigte Probefläche. Erscheint der Untergrund nach dem Trocknen wieder geschlossen und farblich akzeptabel, spricht das für eine reine Reinigung.

Bei einem Wärmedämmverbundsystem, abgekürzt WDVS, ist besondere Zurückhaltung erforderlich. Der dünne Oberputz kann durch harte Bürsten, scharfe Wasserstrahlen oder ungeeignete Reiniger beschädigt werden. Ist der Fassadenaufbau nicht bekannt, geben Bauunterlagen, Rechnungen oder der ausführende Fachbetrieb Aufschluss.

Wann eine Reinigung in der Regel ausreicht

Eine Reinigung ist die naheliegende Wahl, wenn der Algenbelag oberflächlich sitzt und Putz sowie Farbe fest haften. Das gilt auch bei größeren grünen Flächen, sofern keine strukturellen Schäden erkennbar sind. Entscheidend ist, dass eine Probefläche sauber wird, ohne dass Farbe oder Putz mit abgetragen werden.

Gehe bei einer stabilen Putzfassade in dieser Reihenfolge vor:

  1. Bestimme nach Möglichkeit Putzart, Beschichtung und Fassadenaufbau. Beachte vorhandene Pflegehinweise des Beschichtungs- oder Dämmsystemherstellers.
  2. Decke empfindliche Pflanzen und Bauteile ab. Fange ablaufende Reinigungsflüssigkeit soweit möglich auf und beachte örtliche Vorgaben zur Entsorgung.
  3. Entferne losen Schmutz mit einer weichen Fassadenbürste. Arbeite mit geringem Druck, damit die Oberfläche nicht aufgeraut wird.
  4. Teste Wasser und einen für die vorhandene Beschichtung ausgewiesenen Fassadenreiniger an einer verdeckten Stelle. Halte Dosierung und Einwirkzeit auf dem Produktetikett ein.
  5. Bearbeite die Fläche abschnittsweise. Der Reiniger darf nicht auf der Wand eintrocknen.
  6. Spüle mit möglichst wenig Wasser und niedrigem Druck nach, sofern die Produktanleitung dies verlangt. Prüfe nach vollständiger Trocknung, ob ein zweiter schonender Durchgang nötig ist.

Ein Hochdruckreiniger ist auf einer unbekannten oder gedämmten Fassade riskant. Der Strahl kann Wasser in Risse und Anschlüsse drücken, Putz abtragen oder eine bereits geschwächte Beschichtung ablösen. Selbst bei robustem mineralischem Putz sind Abstand, Druck, Düsenform und Zustand der Wand entscheidend. Eine kurze Probebehandlung schützt nicht vor verdecktem Wassereintrag.

Algenentferner können Wirkstoffe enthalten, die Mikroorganismen abtöten. Solche Produkte sind weder für jede Fassadenfarbe noch für die unkontrollierte Ableitung in Boden oder Kanalisation geeignet. Verwende nur ausdrücklich für den Untergrund vorgesehene Mittel und mische sie niemals mit Säuren, Chlorreinigern oder anderen Chemikalien. Handschuhe, Augenschutz und die Angaben auf Etikett und Sicherheitsinformationen sind maßgeblich.

Diese Befunde sprechen für einen neuen Fassadenanstrich

Ein Neuanstrich ist sinnvoll, wenn die Reinigung zwar den Bewuchs entfernt, aber keinen tragfähigen und gleichmäßigen Untergrund hinterlässt. Vor dem Streichen müssen Algen, lose Beschichtungsteile und die Ursache auffälliger Feuchtigkeit beseitigt sein. Farbe auf einem aktiven Belag oder auf feuchtem Putz hält häufig schlecht.

  • Der Altanstrich kreidet stark oder löst sich bereits in Schuppen.
  • Nach der Reinigung bleiben großflächige Schatten und Farbunterschiede zurück, die optisch nicht akzeptabel sind.
  • Kleinere Reparaturstellen oder gespachtelte Risse unterscheiden sich deutlich von der übrigen Fläche.
  • Die vorhandene Beschichtung ist stark verwittert und bietet keinen geschlossenen Schutz mehr.
  • Der Putz wurde instand gesetzt und benötigt ein abgestimmtes Beschichtungssystem.

Risse dürfen nicht einfach mit Fassadenfarbe zugedeckt werden. Feine oberflächliche Risse, arbeitende Risse und Schäden an Anschlüssen erfordern unterschiedliche Reparaturen. Bei breiten, wiederkehrenden oder feuchten Rissen sollte ein Fachbetrieb die Ursache beurteilen. Das gilt ebenfalls für hohl klingenden Putz und Schäden am WDVS.

Grundierung, Fassadenfarbe und vorhandener Untergrund müssen zueinander passen. Silikat-, Silikonharz- und Dispersionsbeschichtungen unterscheiden sich in ihrer Eignung und lassen sich nicht beliebig auf jedem Altanstrich einsetzen. Die Bezeichnung der früher verwendeten Farbe, eine Haftprobe und der Systemaufbau sind wichtiger als ein pauschales Versprechen wie „gegen Grünbelag“.

Eine sinnvolle Wenn-dann-Entscheidung für die Hauswand

Mit einer kleinen Probefläche lässt sich die weitere Arbeit meist zuverlässig eingrenzen:

Anleitung
1Bestimme nach Möglichkeit Putzart, Beschichtung und Fassadenaufbau. Beachte vorhandene Pflegehinweise des Beschichtungs- oder Dämmsystemherstellers.
2Decke empfindliche Pflanzen und Bauteile ab. Fange ablaufende Reinigungsflüssigkeit soweit möglich auf und beachte örtliche Vorgaben zur Entsorgung.
3Entferne losen Schmutz mit einer weichen Fassadenbürste. Arbeite mit geringem Druck, damit die Oberfläche nicht aufgeraut wird.
4Teste Wasser und einen für die vorhandene Beschichtung ausgewiesenen Fassadenreiniger an einer verdeckten Stelle. Halte Dosierung und Einwirkzeit auf dem Produktetikett ein.
5Bearbeite die Fläche abschnittsweise. Der Reiniger darf nicht auf der Wand eintrocknen — Prüfe anschließend das Ergebnis und wiederhole bei Bedarf die entscheidenden Schritte.

  • Wenn der Belag verschwindet und die trockene Oberfläche fest sowie gleichmäßig bleibt, ist Reinigen ausreichend.
  • Wenn der Belag verschwindet, der Anstrich aber stark kreidet oder fleckig bleibt, ist nach geeigneter Untergrundvorbereitung ein Neuanstrich zu erwägen.
  • Wenn sich beim Reinigen Farbe oder Putz löst, brich die Arbeit ab. Der Untergrund muss vor weiteren Maßnahmen geprüft werden.
  • Wenn die Wand trotz trockenen Wetters an bestimmten Stellen feucht bleibt, kläre zuerst Dachrinne, Fallrohr, Abdeckungen, Anschlüsse und möglichen Spritzwassereintrag.
  • Wenn Risse, Hohlstellen oder Schäden an einer gedämmten Fassade vorhanden sind, sollte die Reinigung nicht ohne fachliche Beurteilung fortgesetzt werden.

Das Ergebnis sollte erst nach vollständiger Trocknung bewertet werden. Eine nasse Fassade wirkt dunkler und farblich gleichmäßiger, als sie tatsächlich ist. Wird zu früh überstrichen, kann eingeschlossene Feuchtigkeit Haftung und Trocknung beeinträchtigen.

Warum Algen nach der Reinigung zurückkommen können

Eine saubere Oberfläche bleibt nicht automatisch dauerhaft algenfrei. Entscheidend ist, wie schnell die Fassade nach Regen, Tau und Nebel wieder trocknet. Wärmedämmung kann dazu führen, dass die äußere Oberfläche nachts stärker auskühlt, während Dachüberstände, Himmelsrichtung und Bewuchs die Trocknung zusätzlich beeinflussen.

Prüfe vermeidbare Feuchtequellen, bevor Geld in eine neue Beschichtung fließt. Überlaufende Dachrinnen, tropfende Fallrohrverbindungen, ungünstig entwässernde Fensterbänke, Spritzwasser am Sockel und direkt anliegende Zweige halten einzelne Bereiche länger nass. Solche Ursachen erklären oft, warum der Bewuchs streifenförmig oder nur an bestimmten Bauteilen erscheint.

Ein algizid oder fungizid ausgerüsteter Anstrich kann das Wiederauftreten je nach Beanspruchung verzögern, stellt aber keinen unbegrenzten Schutz dar. Wirkstoffe können mit der Zeit ausgewaschen werden und sind aus Umweltgründen sorgfältig abzuwägen. Eine zum Untergrund passende, gut trocknende Fassadenkonstruktion und die Beseitigung lokaler Wasserquellen sind nachhaltiger als häufige Behandlungen mit Bioziden.

Selbst reinigen oder einen Fachbetrieb beauftragen?

Eine kleine, gut erreichbare und intakte Fläche kann mit geeignetem Werkzeug selbst behandelt werden. Die Arbeit endet jedoch dort, wo Absturzgefahr, unbekannte Beschichtungen, beschädigter Putz oder ein empfindliches Dämmsystem ins Spiel kommen. Leitern sind für langes seitliches Arbeiten ungeeignet; bei größeren Fassaden ist ein standsicheres Gerüst oder eine geeignete Arbeitsbühne erforderlich.

Ein Fachbetrieb ist besonders sinnvoll, wenn die gesamte Gebäudehöhe betroffen ist, Reinigungswasser kontrolliert aufgefangen werden muss oder Reinigung, Putzreparatur und Beschichtung aufeinander abgestimmt werden sollen. Vor der Beauftragung sollte das Angebot erkennen lassen, wie der Fassadenaufbau geprüft, welches Verfahren eingesetzt und wie mit Ablaufwasser sowie angrenzenden Flächen umgegangen wird.

Die tragfähige Entscheidung lautet damit: Eine intakte, nur oberflächlich veralgte Fassade wird zunächst schonend gereinigt und nach dem Trocknen beurteilt. Ein neuer Anstrich folgt nur, wenn die bestehende Beschichtung ihre Funktion verloren hat, Reparaturen sichtbar bleiben oder das Reinigungsergebnis optisch nicht genügt. Schäden und Feuchteursachen müssen in beiden Fällen zuerst behoben werden.

Checkliste
  • Wische mit einem dunklen Tuch über eine trockene, unauffällige Stelle. Bleibt viel heller, pudriger Abrieb am Tuch, kreidet der Anstrich.
  • Drücke vorsichtig auf auffällige Putzstellen. Hohle, lose oder absandende Bereiche müssen fachlich beurteilt und instand gesetzt werden.
  • Suche nach Rissen, abplatzender Farbe und dauerhaft feuchten Zonen. Solche Schäden lassen sich durch Überstreichen nicht beheben.
  • Befeuchte eine kleine gereinigte Probefläche. Erscheint der Untergrund nach dem Trocknen wieder geschlossen und farblich akzeptabel, spricht das für eine reine Reinigung.

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